Antrittsbriefing: Warum ich hier laut denke
Kein Magazin. Kein Ratgeber. Eher ein Notizbuch mit offener Tür.
Ich schreibe hier nicht als Analyst, der von der Tribüne aus Noten verteilt. Ich schreibe, um zu denken. Manche Leute denken beim Reden, manche beim Laufen. Ich denke beim Schreiben. Dieser Blog ist der Ort, an dem das eben öffentlich passiert.
Wenn ein Gedanke dabei jemandem was bringt, freut mich das ehrlich. Aber der Ausgangspunkt ist erstmal pure Neugier. Warum verdient ein Unternehmen mühelos Geld, während ein fast identisches daran zugrunde geht? Was passiert mit Arbeit, wenn Software anfängt, selbstständig zu handeln? Wer trägt eigentlich die Verantwortung, wenn eine Maschine entscheidet? Solche Fragen lassen mich nicht los. Also gehe ich ihnen nach, gründlich, mit Zahlen, und mit einer gewissen Freude daran, Dinge so lange zu zerlegen, bis sie einfach werden.
Die Frage, die ich immer stelle
Ich komme aus dem Rechnungswesen. Das prägt, aber anders als man denkt. Es hinterlässt vor allem eine Frage, die man nicht mehr abstellen kann: "Kannst du das belegen?"
Die Frage ist unbequem. Sie ruiniert schöne Geschichten, glatte Pitch-Decks und die Hälfte aller Strategie-Buzzwords. Aber sie ist der Grund, warum die Analysen hier so aussehen, wie sie aussehen. Erst die Zahlen, dann die Meinung. Erst verstehen, dann urteilen. Und wenn am Ende was Überraschendes stehen bleibt, dann nicht, weil es provokant klingt, sondern weil die Rechnung dahin geführt hat.
Zwischen den Welten
Die interessantesten Probleme unserer Zeit liegen selten innerhalb einer Disziplin. Sie entstehen an den Übergängen, also da, wo vier Welten aneinander vorbeireden.
Die Technik spricht in Systemen und Schnittstellen. Die Betriebswirtschaft spricht in Margen und Prozessen. Die Volkswirtschaft spricht in Anreizen und Märkten. Und die Governance spricht in Verantwortung und Nachweisen.
Jede dieser Sprachen ist für sich schlüssig. Aber ein Unternehmen, das KI einführt, muss alle vier gleichzeitig sprechen, und genau daran scheitern die meisten. Mich fasziniert dieser Übergang. Ich übersetze gern in beide Richtungen: tief genug, um die Details zu verstehen, und einfach genug, dass es jeder versteht. Das ist mein Maßstab. Was ich nicht in einfacher Sprache erklären kann, habe ich selbst noch nicht kapiert.
Wie ich denke
Drei Angewohnheiten ziehen sich durch alles, was hier erscheint.
Erstens denke ich in Prozessen. Hinter fast jedem Ergebnis, gutem wie schlechtem, steckt ein Ablauf, den irgendwann mal jemand so gebaut hat. Wer den Ablauf sieht, sieht auch, wo es hakt.
Zweitens drehe ich gern Selbstverständliches um. Die spannendste Frage ist selten "Wie machen es alle?", sondern "Was würde passieren, wenn man es genau andersrum macht?" Manchmal kommt Unsinn dabei raus. Manchmal die eigentliche Antwort.
Drittens ist eine Analyse für mich erst fertig, wenn die Frage "Und was folgt daraus?" beantwortet ist. Beschreiben kann jeder. Interessant wird es bei den Konsequenzen, also was man anders entscheiden, anders bauen oder besser lassen sollte.
Was hier erscheint
Analysen zu Geschäftsmodellen, künstlicher Intelligenz, Plattformökonomie und Kapital, aus der Finance-Perspektive, die oben beschrieben ist.
Und zunehmend noch was Zweites: Werkstattnotizen. Ich experimentiere privat mit KI-Agenten, eigene Server, eigene Systeme, eigene Fehler. Nicht weil ich Softwareentwickler wäre, sondern weil ich überzeugt bin: Man versteht eine Technologie erst dann wirklich, wenn man sie selbst gebaut, selbst bezahlt und selbst repariert hat. Diese Notizen aus der eigenen Werkstatt bekommen hier ihren Platz, inklusive der Dinge, die schiefgehen.
Eine Einladung
Das hier ist ein Denkraum, kein Sendemast. Wenn Sie einen Gedanken nützlich finden, schön. Wenn Sie widersprechen wollen, noch besser. Die besten Texte dieses Blogs werden vermutlich die sein, die aus einem Widerspruch entstanden sind.
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